Heimatkreis Neustettin

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Letzte Überarbeitung am:
12. April 2017
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Totenehrung am 29. September 2007 beim Treffen der Kreis Neustettiner in Eutin

Am frühen Morgen des 29. September 2007 trafen sich Teilnehmer des Kreis-Neustettiner-Treffens um 8.30 Uhr am Neustettiner Gedenkstein, neben dem Heimatmuseum für den Kreis Neustettin, unmittelbar vor dem Schloss in Eutin, um der verstorbenen Neustettiner aus Kreis und Stadt zu gedenken.


 
 

Liebe
 
Neustettiner Landsleute,
 
meine
 
Damen und Herren!

Wieder einmal haben wir uns, heute zu früher Stunde hier, am Gedenkstein, der seit dem 675. Jahr der Gründung unserer Stadt die Lebenden mahnt, versammelt, um unserer teuren Toten zu gedenken!

Ich möchte diese Ehrung mit den Worten unseres Bundespräsidenten Horst Köhler einleiten, die er zum 60. Jahrestag des Kriegsendes von 1945 vor zwei Jahren fand:
 
 

&dbquo;Wir Deutschen blicken mit Schrecken und Scham zurück auf den von Deutschland entfesselten Zweiten Weltkrieg und auf den von Deutschen begangenen Zivilisationsbruch Holocaust.
Wir trauern um alle Opfer Deutschlands, um die Opfer der Gewalt, die von Deutschland ausging, und um die Opfer der Gewalt, die auf Deutschland zurückschlug.


Wir trauern um alle Opfer, weil wir gerecht gegen alle Völker sein wollen, auch gegen unser eigenes.
Wir werden die zwölf Jahre der Nazidiktatur und das Unglück, das Deutsche über die Welt gebracht haben, nicht vergessen, aber wir sehen unser Land in seiner ganzen Geschichte, und darum erkennen wir auch, an wie viel Gutes wir Deutschen anknüpfen konnten, um über den moralischen Ruin der Jahre 1933 bis 1945 hinauszukommen.
Unsere ganze Geschichte bestimmt die Identität unserer Nation. Wer einen Teil davon verdrängen will, der versündigt sich an Deutschland.“


 
 
Wir hier heute morgen denken an alle ehemaligen Bewohner unseres Neustettiner Landes, die in der wechselvollen Geschichte unserer Heimat immer wieder durch Grenzkonflikte, Kriege und Raubzüge, in sich anschließenden Hunger- und Notzeiten, bei den großen Stadtbränden sowie wie durch Seuchen wie den ‚schwarzen Tod’, die Pest, ihr Leben verloren haben. Das war nach 1759, besonders aber um 1630 der Fall. Persanzig, Sparsee und Küdde waren fast menschenleer. In Neustettin waren nur noch ein Drittel der Häuser bewohnt, zwei Drittel standen leer.
Nach dem 30-jährigen Krieg und der Pest hieß es darum zu Recht in dem bekannten Kinderlied: &dbquo;Pommerland ist abgebrannt!“
 
Ganz besonders denken wir an die vielen jungen Menschen, die in der Blüte ihrer Jahre als Soldaten auf den Schlachtfeldern verbluten mussten. Auf dem Kreiskriegerdenkmal, das früher in den Anlagen an der Parkbrücke stand, waren auf acht Tafeln die Namen von 103 Soldaten und Offizieren verzeichnet, die in den deutsch-französischen Kriegen des 19. Jahrhunderts gefallen waren.
 
Wir denken aber auch an all die verdienten Einwohner, die nach Verwüstungen und Kriegen immer wieder durch ihr unermüdliches Wirken zum Wohle der Stadt dazu beitrugen, dass Neustettin zur 600-Jahrfeier als eine ‚Perle unter den pommerschen Städten’ bezeichnet werden konnte. – Sie konnten danach noch in heimatlicher Erde ruhen.
 
Wir denken dabei an Johann Samuel Kaulfuß, der das Hedwig-Gymnasium zu neuer Blüte führte. &dbquo;Sein Gutes ging auf andere über!“. Diese Worte können wir heute noch auf dem Denkmal, das einst dankbare Schüler für ihren Direktor errichteten, lesen.
 
Oder wir erinnern uns an den Kreisgerichtsdirektor Stellter, an Schmiedicke und Bennewitz, die die herrlichen Anlagen am Streitzigsee schufen. Sie seien nur stellvertretend für all die anderen genannt.
 
Viel Kummer und Leid brachten die beiden letzten Weltkriege für die Stadt und den Kreis Neustettin. Im ersten Weltkrieg sind 470 unserer Landsleute gefallen. Unter ihnen auch viele Lehrer und viele Gymnasiasten, wie der einzige Sohn unseres Historikers Professor Karl Tümpel. Ein Gedenkstein auf dem Schulhof erinnerte früher daran.
 
Auf einem Mahnmal in der Infanteriekaserne war zu lesen, dass vom ‚Regiment Generalfeldmarschall von Mackensen’ hundert Offiziere und 2771 Unteroffiziere und Mannschaften (im Felde) blieben.
 
Ein weiteres Gefallenen-Ehrenmal war in der Nikolaikirche angebracht. Der Maler Paul Stubbe malte eine Gruppe von Personen, die um gefallene Söhne oder Ehegatten trauern. Einigen von ihnen gab er porträtähnliche Züge bekannter Neustettiner.
 
Alles Bisherige wurde übertroffen von den Ereignissen zum Ende des Zweiten Weltkrieges, die viele von uns selbst erlebt haben.
 
Schon vorher häuften sich die Gefallenen-Anzeigen in der Neustettiner Kreiszeitung. Fast jeder hat Angehörige im Krieg, auf der Flucht in den eisigen Wintertagen, beim Überrollen durch die Rote Armee und später durch Russen und Polen bis zur Vertreibung aus der Heimat verloren. Wer meinte, den Verfolgungen durch die marodierende russische und polnische Soldateska entkommen zu sein, geriet später in den anglo-amerikanischen Bombenterror, wie zum Beispiel beim Großangriff auf Swinemünde. Tausende ruhen auf dem Golm, der höchsten Erhebung auf der Insel Usedom.
 
In unser Gedenken schließen wir auch unsere ehemaligen jüdischen Mitbürger ein, deren Gotteshaus zweimal ein Raub der Flammen wurde, die zum Teil schon Anfang der dreißiger Jahre aus der Stadt vertrieben wurden und später der Vernichtung zum Opfer fielen. Ihre Friedhofskapelle ist heute eine kleine evangelische Kirche.
 
Erinnert sei auch an die 119 französische Soldaten, die auf dem Rückzug der Armeen Napoleons aus Rußland um 1812 an Krankheiten und Entkräftung gestorben waren und auf dem Sankt-Jürgen-Berg in Massengräbern beigesetzt wurden. Heute erinnert dort ein polnisch-französisches Denkmal an sie. Für die Bewohner auf den Dörfern und in der Stadt ist ‚de Franzosentid’ auch eine schlimme, leidvolle Zeit gewesen.
 
Wir denken heute aber auch ganz besonders an die Landsleute, die sich über Jahrzehnte für Pommern, für unser Neustettin im pommerschen Südostwinkel eingesetzt haben, an jene, die noch oft gemeinsam mit uns hier an diesem Stein gestanden haben.
 
 
Erst kürzlich verstarben:
 

Ulrich Schreiber

, langjähriger Vorsitzender des Heimatkreises Neustettin,
verstorben am 21. August 2006;


 
er hat mit seinem Bruder Friedrich Karl diesen Stein gestiftet.
 

Gisela Husen

, lange Zeit Schriftwart des Schülervereins, verstorben am 15. Januar 2007

.
 
 
Am Rande des Friedhofes auf dem Ritzigberg wird seit einigen Jahren mit einem Lapidarium, einer Sammlung alter deutscher Grabsteine, an die ehemaligen Bewohner der Stadt Neustettin erinnert. Auf 108 Grabsteinen finden wir dort 125 deutsche Namen. An einigen der Steine findet man manchmal Blumen oder Kerzen. Der Pfarrer im Ruhestand, Herbert Bunde aus Zinnowitz, sah dort den Grabstein seiner Mutter wieder. Schüler des Gymnasiums von Szczecinek pflegen diese Gedenkstätte.
 
Bald werden wir in Szczecinek in den Anlagen an unserem geliebten Streitzigsee, in der Umgebung, wo früher einmal das Kriegerdenkmal und ein Obelisk zu Ehren des Gerichtsdirektors Stellter standen, einen Gedenkstein für die ehemaligen Einwohner der Stadt und des Landkreises vorfinden. Bei zukünftigen Besuchen in der Heimatstadt können wir dann dort mit Blumen und einem stillen Gruß unserer teuren Toten gedenken.

Wir gehen dahin und wandern
von einem Jahr zum andern,
Wir leben und gedeihen
vom Alten bis zum Neuen.

Durch so viel Angst und Plagen,
durch Zittern und durch Zagen,
durch Krieg und große Schrecken,
Die alle Welt bedecken.

Schleuß zu die Jammerpforten
Und lass an allen Orten,
wo Krieg und Blutvergießen,
Die Friedensströme fließen.

Ehren wir nach diesen Versen von Paul Gerhardt nun unsere unvergessenen Toten mit einer Minute des Schweigens, des stillen Gedenkens.    –   Ich danke Ihnen!
 

Hans Rieck, Wolgast, früher Neustettin

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Fotos von Jürgen Klemann