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12. April 2017
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700 Jahrfeier in Szczecinek am 19.6.2010; Bi-konfessioneller Gottesdienst um 13 Uhr.

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1 - In der ehemaligen ev. Nikolai-Kirche, heute kath. Marienkirche.
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2 - Professor Dr. Peter Bloth, Berlin und Probst Piotr Jelinowski, Szczecinek gemeinsam am Altar.

GEBETS- und PREDIGT-GOTTESDIENST


zur 700-Jahrfeier der Stadt Szczecinek (früher Neustettin)
in der St. Marien- (früher St. Nikolai-) Kirche, am 19. Juni 2010 um 13 Uhr
 
Kurze Begrüßung und stilles Gebet, endet mit:
    … im Namen Gottes, des Dreieinigen,
        des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.        AMEN
 
Lied: Spiewnik Ewangelicki (SpEw) 629  =  Evangelisches Gesangbuch (EG) 302
            Strophen 1-3.6                                  =    Strophen 1-2.4.8      (Paul Gerhardt 1653)
 
Psalmgebet (Lesung Psalm 33 [drei Teile, dt.-poln.] 1.4-5.8-9. //  12-13.15-18. // 20-22) endet mit
Liturg:  &dbquo;Ehr’ sei dem Vater … von Ewigkeit zu Ewigkeit. AMEN“ (Gloria Patri)

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3 - Professor Dr. Peter Bloth, Berlin ...
4 - ...  Probst Piotr Jelinowski, Szczecinek ...
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Alle Fotos von:
Jürgen Klemann
aufgenommen
am 19. Juni 2010
5 - ... beim gemeinsamen Gebet.

PREDIGT


 
Der Friede des Herrn sei mit euch allen!  AMEN
 
Liebe polnische und deutsche Freunde,
liebe evangelische und katholische Mitchristen!
Nun sind wir in der Mitte des festlichen Gedenkens an die Gründung der von uns allen geliebten Stadt vor 700 Jahren in dieser schönen Stadtpfarrkirche St. Marien zu Szczecinek versammelt. Viele werden sich gerade jetzt an die beiden denkwürdigen Anlässe erinnern, zu denen Polen und Deutsche, evangelische und katholische Christen sich schon vor zwei Jahren am Streitzigsee beim früheren Schloß und hier in der Marien-Kirche

getroffen haben.
 
Selbst wenn man wie ich nur durch das Lesen der Zeitschrift ›Mein Neustettiner Land‹ teilnehmen konnte: die würdige Einweihung des eindrucksvollen doppelten Gedenksteins für die Toten aus Stadt und Kreis Neustettin unten am See hat wohl uns alle sehr bewegt. Und dass am nächsten Tag, 7. September 2008, dieses erst 1908 als neue evangelische St. Nikolai-Kirche geweihte Gotteshaus als nunmehr römisch-katholische St. Marien-Kirche ein großes Episkopal-Hochamt zur 100- jährigen Kirchweihe feierte, ist bis heute als ein Zeichen christlicher Gemeinschaft zwischen den großen Konfessionen unserer Länder unvergessen.
 
Was evangelische und katholische

Christen damals an brüderlicher Gesinnung und Gemeinschaft erlebt haben, was an nachbarlicher Gastfreundschaft zwischen Polen und Deutschen erfahrbar wurde: das beides wünschen wir uns von jedem einzelnen dieser Festtage. Möge es besonders auch in diesem Gottesdienst als einer gemeinsamen Besinnungsstunde zu spüren sein.
 
Lasst mich deshalb zuerst in meiner Predigt Dank sagen dem Herrn Propst Jesionowski und der Gemeinde dieser Kirche, ebenso herzlich den Herren Bürgermeister und Landrat und den Bewohnern von Szczecinek, die schon damals mitgewirkt haben und gestern wie heute wieder mit uns zusammen sind. Durch solche gute Gemeinsamkeit wird das Fest der 700-jährigen Stadtgründung nicht nur eine Feier zwischen kommunal leitenden und kirchlichen Repräsentanten der früheren deutschen und heutigen polnischen Einwohner. Nein: wir feiern dann wirklich ein Fest für alle und mit allen, die dieser Stadt seit den Zeiten ihrer Gründung bis zum heutigen Tage und – wenn Gott Gnade gibt – für viele Jahre einer hoffentlich guten Zukunft in dankbarer Ehrfurcht und bleibender Liebe verbunden sind und bleiben.


Liebe Freunde, mancher unter uns wird sich fragen, warum wir Deutsche eine solche Stunde der Besinnung gerade in dieser Kirche erbeten haben. Geht es uns denn zusammen mit den polnischen Nachbarn nicht um die 700-Jahr-Feier des Stadt- und Marktrechtes von Neustettin/Szczecinek? Gestern hörten wir schon von einigen der historischen Bedingungen dieser Verleihung durch den Herzog und von ihrer Auswirkung durch die Zeiten. Aber warum und wie gehört diese Kirche, ja heutzutage die Kirche überhaupt in das Recht einer Stadt hinein?
 
Zu den Hauptgründen für unsere Bitte um die Stunde in diesem Gotteshaus zählt gewiss das herzliche und oft schmerzliche Gedenken an alle Bürger aus Stadt und Kreis Neustettin. An die uns persönlich Verwandten und Bekannten, an die, welche hier die heiligen Sakramente Taufe und Abendmahl empfangen haben, die vor diesem Altar von evangelischen Pfarrern konfirmiert und hier zum Ehebund eingesegnet wurden. Und sicherlich darf ich auch die Erinnerung an jährlich Hunderte hinzufügen, die hier bis 1944 an jedem Heiligen Abend im Licht der vielen Christbaumkerzen von dort oben, von der Orgel-Empore aus den Choral von Paul Gerhardt und Johann Sebastian Bach gehört haben &dbquo;Ich steh’ an deiner Krippen hier, Herr Jesu, du mein Leben“ – das ›hier‹ dieses tröstlichen Liedes galt für viele gerade zum Kriegs-Weihnachten ganz wörtlich.
 
Doch nicht erst seit 2008 oder gar erst seit heute schließt unser Beten und Nachdenken auch alle die polnischen Frauen und Kinder samt den vielen alten Menschen ein, die während der ersten

Monate des Jahres 1945, also am Ende des 1939 aus dem deutschen Überfall auf Polen entstandenen schrecklichen Weltkrieges, von den Siegern in das damalige Neustettin eingewiesen wurden. Als unsere Stadt 1310 gegründet und bis in das 20. Jahrhundert gestaltet wurde, hatten die Vorväter dieser unfreiwilligen Zuwanderer von 1945 ihre Heimat in den östlichen Teilen Polens. Nun aber mussten sie hier in der Fremde Platz zum Leben finden und auch einen würdigen Ort für ihren Glauben als katholische Christen. Den fanden sie in dieser Neustettiner Kirche und freuen sich daran bis heute, wie Propst Jesionowski  bei der Denkmalseinweihung 2008 offenbar bezeugen wollte, als er aller derer mit bewegenden Worten gedachte (ich zitiere den Zeitschriftbericht 2008, Nr.2, S.22:), &dbquo;die diese Kirche gestiftet, gebaut und den heutigen Bewohnern in einem so guten Zustand hinterlassen haben“.
 
Liebe Freunde und Mitchristen, bedenkt man dies alles, so können heute auch die Unbelehrtesten in unseren beiden Ländern Deutschland und Polen auf die längst gescheiterten Versuche verzichten, Recht und Unrecht im Gegeneinander zweier Waagschalen abzuwägen und zur Verurteilung aufzurechnen. Wenn man, wie es sich für Christenmenschen geziemt, an das unendliche Leid, das qualvolle Sterben aller derer denkt, die im Zweiten Weltkrieg, in Katyn, in Auschwitz, in Lidice, in Dresden und an tausend anderen Orten gemordet wurden, wenn man derer sich erinnert, die am Kriegsende aus ihrer Heimat geflohen sind oder zu erzwungener Wanderung getrieben wurden – wer will dann die anklagen oder mit ihren Kindern und Enkeln rechten, die damals trotz Hoffnungslosigkeit die Grausamkeiten von Menschen gegen Menschen, oft genug auch von Christen gegen Christen überlebt haben?


Lasst mich eine sogar für christliches Glaubens- und Hoffnungs-Zeugnis riskante These aussprechen: 1310 hat diese Stadt vom Pommernherzog Lübisches Stadt- und Marktrecht verliehen bekommen. An diesem Ort sollten künftig in Handel und Wandel für alle Bürgerinnen und Bürger die Regeln und Gebote guter Nachbarschaft in echtem Miteinander gelten. Schaut man genau hin, so ist das noch immer, ja endlich für ganz ‚Europa’ die Basis der Verfassungen. Natürlich, deren Inhalte und Formen sind durch die Erfahrungen der Schrecken in den letzten sieben Jahrhunderten gewarnt und aus dem Geglückten dieser Zeiten bereichert worden. Das Ergebnis können Polen und Deutsche täglich auch in Szczecinek/Neustettin wahrnehmen; aber es gilt seit zwanzig Jahren im ganzen ‚Europäischen Haus’, wie ein an dessen Bau beteiligter Staatsmann es genannt hat. Was Polen, was Danziger Arbeiter, was zwei Staatspräsidenten in

Warschau und ein polnischer Papst in Rom dafür leisteten, bleibt unvergessen.
 
Liebe Landsleute und liebe Nachbarn, sieben Jahrhunderte besteht nun diese Stadt. Nicht wenige sind heute unter uns, die sie schon kannten, als sie selbst erst sieben Jahre alt waren. Diese polnischen und deutschen Menschen, die ich als Gleichaltriger besonders grüße, sind heute über siebzig Jahre alt. Sie haben die Lebenszeit des Menschen durchmessen, die schon der berühmte Psalm 90 aus dem bald 3000 Jahre alten Gesangbuch des Gottesvolkes Israel besingt; die Leute, denen wir das Lied verdanken, gaben ihm als Überschrift die Worte: &dbquo;Ein Gebet des Mose, des Mannes Gottes“. Viele von uns kennen den Psalm:
 
&dbquo;Herr, du bist unsere Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, / bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Der du die Menschen lässest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder!  Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist,/ und wie eine Nachtwache. … Unsere Missetaten stellst du vor dich,/ unsere unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht. … Unser Leben währet siebzig Jahre,/ und wenn’s hochkommt, so sind’s achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint,/ ist doch nur vergebliche Mühe; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon. … Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen,/ auf dass wir klug werden.“


Von 700 Jahren hören wir im Psalm nichts, aber von tausend Jahren, die vor Gott wie ein Tag vergehen. Und das Lied spricht die offenbar uralte Erfahrung aus, dass unser Leben 70, höchstens 80 Jahre dauert. Ist das etwa nur ein Zahlenspiel für Leute, die sich den Zeitraum 700 Jahre vorstellen wollen? Aber warum kommen dann nicht einmal sieben Tage vor, obwohl schon das erste Blatt der Bibel von Gottes sieben Schöpfungstagen so anschaulich erzählt? Soll uns das alles Angst machen vor unserer Vergänglichkeit? Nein: der Dichter des Psalms will uns mit diesen Zahlen etwas lehren, &dbquo;auf dass wir klug werden“.
 
Mittendrin in diesem Lied, zwischen den tausend Jahren vor Gott und den 70 bis 80 Jahren unseres Lebens steht nämlich fast wie eine Beichte dieser Vers: &dbquo;Unsere Missetaten stellst du vor dich,/ unsere unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht.“ Und das gilt für die sieben, die siebzig, die 700 Jahre ebenso wie für jeden der sieben Tage, die den Alltagsrhythmus unseres Lebens und Schaffens bestimmen. Welche Zeit uns auch immer zugemessen und geschenkt ist, wie viele Jahre oder Tage wir bedenken: wie können wir leben und ‚klug werden’, wenn wir unsere ‚Missetaten’ an andern, mehr noch: wenn wir unsere ‚unerkannte Sünde’ vor Gottes Angesicht nicht erkennen?
 
Liebe christliche Brüder und Schwestern, am Schluss dieses Gottesdienstes zum 700-Jahres-Gedenken der Stadt, zu der wir gehören, werde ich Euch zum Gebet des Vater Unser in unseren Muttersprachen einladen. Die ganze Christenheit auf Erden kennt

und betet darin als fünfte Bitte: &dbquo;Und vergib uns unsere Schuld, wie

auch wir vergeben unsern Schuldigern“. Als Jesus Christus seine Jünger dieses Gebet gelehrt hatte, konnte sein realistisch denkender Jünger Simon Petrus die Frage nicht unterdrücken: &dbquo;Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal?  Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal“ (Matth. 18, 21f.).


‚Siebzigmal siebenmal’: da hören wir unsere Siebener-Zahlen wieder; ich will versuchen, sie zu deuten: So viel Vergebung braucht die ganze Schöpfung Gottes an jedem der sieben Tage – und auch dies: so viel Vergebung braucht jeder Mensch für jedes seiner siebzig Lebensjahre. Wenn wir Menschen, seien wir Polen oder Deutsche, Evangelische oder Katholiken, den Dreieinigen Gott um seine

lebensnotwendige Vergebung für die Welt und für uns alle bitten, sollen wir diese Vergebung auch unter uns walten lassen. Gott lasse uns das in seiner Güte gelingen; so dürfen wir um Christi willen auf seine Vergebung hoffen. Dies alles heißt in den Worten des Psalms und auch für uns in dieser 700-jährigen Stadt Szczecinek/Neustettin, &dbquo;auf dass wir klug werden“.
 
Der Psalm schließt mit dieser Bitte; ich spreche sie als ein Gebet auch für diese liebe Stadt aus: &dbquo;Der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unserer Hände bei uns. Ja, das Werk unserer Hände wollest du segnen.“
 
                                            

 AMEN

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6 - Predigt von der Kanzel.
7 - Predigt von der Kanzel.
8 - Übersetzung durch Frau Daria Stec. Das örtliche TV hat Aufnahmen während des Gottesdienstes gemacht.
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9 - Predigt von der Kanzel.
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10 - Predigt von der Kanzel.
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11 - Schlußgebete am Altar.

Lied nach der Predigt:  SpEw  616  Str. 1-3  =  EG  333  Str. 1-3
                                                                                            (K.F.W. Herrosee 1810)
 
Vater Unser  ...     (gemeinsam;  in den Muttersprachen)
 

Segen

        Der Herr segne dich und behüte dich,
                  der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,
                  der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden!
 
                                                                                                           

 A M E N


 
Lied:   SpEw  593  Str. 1-3   =   EG  321  Str. 1-3              (Martin Rinckart 1636)
 
***     ***     ***
 
 

Professor Dr. theol. Peter C. Bloth                                    DE – 12205 BERLIN
(evang.-luth. Pastor; geb. 1931 in Verchen/Pom.,            Troppauer Str. 6A
lebte in Neustettin/Szczecinek von 1935-1945)                 Tel.: 0049 (30) 8121054

Wer diese Predigt im Zusammenhang sehen und/oder eventuell ausdrucken möchte,


 

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Predigt in polnischer Sprachübersetzung,


 

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